Augusta Bäckman wollte lieber sterben, als ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen

Augusta half den Kranken

Das Schicksal hatte anderes im Sinn, als es Augusta Bäckman beabsichtigte. Ihr geschah das Missgeschick, was von vielen als das Schlimmste angesehen wurde: sie wurde als junge, unverheiratete Frau schwanger. Der Vater des Kindes schien sich nicht erkennen geben zu wollen. Dies geschah in Forsvik kurz vor der Choleraepidemie im Jahr 1866.

Augusta galt seit einigen Jahren als die Frau im Ort, die man rufen konnte, wenn jemand erkrankte oder eine Geburt schwierig verlief. Die Ortsansässigen schrieben ihr magische Kräfte zu. Sie konnte Adern lassen, schröpfen und Medizin kochen.

Überlebte die Cholera

Als die Epidemie ausbrach, sah Augusta ihre Chance ihre große Sünde nicht öffentlich bekennen zu müssen. In Hoffnung darauf, stattdessen sterben zu dürfen, begab sie sich in eine enorme Hilfsaktion in den Haushalten. Sie arbeitete Tag und Nacht und rettete viele vor dem Austrocknen und einem zeitigen Tod mittels ihrer Medizinen und Absude.

Kam alleine zurecht

Die Kirche hatte eine verurteilende Position, was Frauen betraf, die außerhalb der Ehe Kinder zur Welt brachten. Sie war der Meinung, dass die Frauen gegen das Gesetz verstoßen hatten und sie dafür bestraft werden würden. Augusta schien trotz alledem Mut gefasst zu haben und beschloss für sich und ihr Kind ein anständiges Leben zu schaffen. Sie war fest entschlossen, dass sie zusammen bleiben sollten.

Nachdem Augusta ihre Tochter zur Welt gebracht hatte, schienen ihre Muttergefühle die Überhand zu gewinnen. Normalerweise fand sich meistens ein unverheirateter Mann, der sich für die in Ungnade gefallene junge Frau mit dem unehelichen Kind erbarmte, sie bei sich aufnahm und sie heiratete. So geschah es jedoch nicht mit Augusta Bäckman! Für den Rest ihres Lebens blieb sie unverheiratet. Sie fand ein Zimmer in einem der Häuser im Kilebövägen bei „Forsviks Bruk“. Dort schuf sie ein Heim für sich und ihre kleine Tochter Regina.

Nähnadeln über der Stirn

Augusta verdiente ihren Lebensunterhalt durch die Berufslaufbahn, die sie ein paar Jahre zuvor eingeschlagen hatte; sie versorgte weiterhin die Kranken in Forsvik. Die Leute riefen lieber sie als die Hebamme, wenn eine Geburt anstand.

Vielen Menschen fiel es schwer in der elften Stunde in das ewige Leben überzugehen. Man wandte sich in der Regel zunächst an Auguste - und wenn man Zeit hatte, kam sogar der Priester. Augusta wusste jedoch immer Rat. War es für eine Person zum Beispiel üblich, auch sonntags zu arbeiten, so löste Augusta das Problem, indem sie Nähnadeln über der Stirn des Patienten zerbrach und sie runterfallen lies. Diese Methode war sicherlich unfehlbar!

Die Tochter studierte in Stockholm

Sie erzog Regina zu einer selbständigen und wissbegierigen  jungen Frau. Augusta lehrte Regina alles, was sie über Krankenpflege, medizinische Methoden und Absude wusste. Bald arbeiten sie Seite an Seite.

Als Regina 20 Jahre alt war, beschloss sie, nach Stockholm zu reisen, um mehr über die Krankenpflege zu lernen. Danach kehrte sie nach Forsvik zurück und übernahm den Beruf ihrer Mutter.

Aus hartem Holz

Es ist wahrscheinlich, dass Augusta trotz ihrer „Ausschweifungen“ in ihren jungen Jahren bald im Ort respektiert wurde, auch wenn der eine oder andere ihr immer noch einen vernichtenden Blick nachwarf. Trotzdem setzte sie sich über die schlechten Urteile hinweg und zeigte ihrer Umgebung, dass sie aus einem Holz geschnitzt war, das man so schnell nicht brechen konnte.

Updated: 2017-07-29 14:12